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Finnen wollen Kooperation mit BBS Nienburg
Was können deutsche Schulen von den Siegern im Schulvergleichstest
PISA lernen? Erste Eindrücke wurden deutlich, als Oberstudiendirektorin
Sabine Schroeder drei Lehrkräfte aus Seinäjoki (Finnland) an der
BBS Nienburg begrüßte.
Der Besuch von Lena Slotte-Siljamäki, Maija-Liisa Saarnisto und Jari
Kiikka war nicht zufällig. Die berufsbildenden Schulen in Nienburg und
Seinäjoki gehören zusammen mit der Haupt- und Realschule Steimbke
sowie Schulen aus sieben weiteren Ländern zum europäischen Qualitätsnetzwerk
QiS (Quality in Schools). Nach einer Konferenz in Marseille im vergangenen
Jahr und Treffen der Schulleitungen in Kopenhagen und Wien fand nun ein weiter
Kongress an der Universität Osnabrück statt, die das Projekt von
wissenschaftlicher Seite betreut. Für die drei Finnen war dies eine
gute Gelegenheit, zum ersten Mal ihre Partner an ihrem Arbeitsplatz in Nienburg
zu besuchen.
Nach einem Rundgang durch die Schule lag den Gästen vor allem daran, mit
Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen. In den zwei
Klassen der Berufsfachschule Sozialpädagogik und der Fachschule Heilerziehungpflege
stimmte die Chemie sofort, zumal sich schnell herausstellte, wie problemlos
die Verständigung auf Englisch funktionierte. Was Lena Slotte-Siljamäki,
Maija-Liisa Saarnisto und Jari Kiikka berichteten, verblüffte Schüler
und die betreuenden deutschen Lehrkräfte gleichermaßen. So müssen
in Finnland alle Jugendlichen mindestens drei Berufsfelder in einer berufsbildenden
Schule kennen lernen, bis sie sich auf eine Richtung festlegen. Wer keinen
Beruf erlernt, bekommt bis zum 25. Lebensjahr keinerlei staatliche Unterstützung.
Im Gegensatz zum Dualen System in Deutschland findet die Ausbildung zum größten
Teil an den Schulen selbst statt, nur für 20 Wochen in drei Jahren sind
die jungen Frauen und Männer in Betrieben, Praxen und Behörden. Wer
glaubt, die sei praxisfern, irrt. Jari Kiikka erläuterte: „Wir kaufen
Grundstücke und bauen darauf Häuser. Wir machen mit unseren Schülern
alles selbst, sodass jedes Gewerk zum Einsatz kommt. Anschließend verkaufen
wir diese Häuser zu einem marktüblichen Preis. Die Nachfrage ist
groß.“ Die Schule mit 1300 Schülern ist auch in anderer Weise
produktiv. Die Fleischerei verkauft ihre Produkte ebenso an die Öffentlichkeit
wie die Bäckerei. Die Kfz-Werkstatt der Schule bietet den üblichen
Service an, ohne dass die heimische Wirtschaft dies als unangenehme Konkurrenz
sieht. Auszubildende in der Gastronomie bedienen natürlich in der Schulmensa,
wo das Essen übrigens kostenlos ist. „Was glaubt ihr, wo ich am
Montag zum Friseur war?“, fragte Lena Slotte-Siljamäki die Schülerinnen
und Schüler. Sie ahnten die Antwort: im Friseursalon der Schule. In den
zumeist kleinen Klassen achten Beratungslehrkräfte wie Maija-Liisa Saarnisto
darauf, dass die Jugendlichen respektvolles und höfliches Verhalten trainieren,
sich gezielt auf ihren weiteren Berufsweg vorbereiten sowie aussagekräftige
und formal korrekte Bewerbungen schreiben. Auch für altersübliche
Probleme wie Liebeskummer hat Maija-Liisa Saarnisto ein offenes Ohr und einen
guten Rat.
„ Wir waren gerne in Nienburg und haben uns an der Schule und in der Stadt
wohl gefühlt“, sagte Lena Slotte-Siljamäki, „aber wir sollten
mehr daraus machen.“ Die finnische berufsbildende Schule, die vor Ort auch
enge Kontakte zu allen anderen Schulformen hat, möchte wie mit Schulen in
anderen Ländern einen Schüleraustausch einrichten, der in der Dauer
flexibel ist, aber einige Wochen umfassen sollte. Erste Interessenten gibt es
schon, nicht nur bei den Schülern, sondern auch bei den Lehrkräften.

Die finnischen Lehrkräfte Lena Slotte-Siljamäki, Maija-Liisa Saarnisto
und Jari Kiikka (v.l.) im
Gespräche mit Schülerinnen und Schülern der BBS Nienburg
Fortbildung Gruppen- und Teambildung vom März und Juni 2006,
Einblicke und Unterlagen...
„Quality in School“ – EU-Kongress in Marseille mit Nienburger Beteiligung
Was führt vier Lehrkräfte von zwei Schulen aus dem Landkreis Nienburg nach Marseille? Nicht Erholung unter südlicher Sonne war das Ziel, sondern die Teilnahme an einem dreitägigen Kongress des EU-Programms „Quality in School“ (QiS).
Anliegen dieses Programms ist es, Schulen aus sieben europäischen Ländern
in ein Netzwerk einzubinden, um Informationen zu transportieren und eine
Diskussionsplattform einzurichten, von der ausgehend intensivere Kontakte
zwischen den Schulen geknüpft werden. Langfristiges Ziel ist die Entwicklung
eines europäischen Qualitätsstandards. Die Berufsbildenden Schulen
waren in Marseille mit Oberstudiendirektorin Sabine Schroeder und Oberstudienrat
Martin Wahl vertreten, von der Haupt- und Realschule Steimbke waren Elke
Narten und Schulleiter Andreas Bortfeld dabei, der bereits Erfahrungen als
Inspektor an einer dänischen Schule hat (die HARKE berichtete). Sie
waren Teil der deutschen Delegation, zu der auch eine Grundschule aus Osnabrück
gehört und die von drei wissenschaftlichen Mitarbeitern der Universität
Osnabrück geführt wird.
Der erste Tag konzentrierte sich auf den Besuch von drei Schulen der multikulturell
geprägten Hafenstadt. Hohe Metallzäune, verschlossene Türen
und ganztägiger Schulbetrieb kennzeichneten die ersten Eindrücke,
doch wurde in Gesprächen mit Lehrkräften deutlich, dass auch eine
intensive persönliche Betreuung der Schülerinnen und Schüler
stattfindet. Der zweite Tag begann mit Referaten der Vertreter der beteiligten
Universitäten und
einer Vertreterin der EU aus Brüssel. Dann hatten
wieder die Lehrerinnen und Lehrer aus Finnland, Litauen, Slowenien, Italien,
Frankreich, Dänemark und Deutschland das Wort. Jede Gruppe hatte den
Auftrag, ihren Beitrag zur Qualitätsentwicklung dem Plenum vorzustellen.
Bereits vorher waren den Schulen bestimmte Partner als „kritische Freunde“ zugeteilt
worden, welche die Präsentation schon vorab kannten und nun kritische
Fragen stellen sollten. Beispielsweise wurde die Schulleiterin der BBS Nienburg
von ihrer dänischen Kollegin Lene Vestervang Olsen verwundert gefragt,
warum ihre große Schule keine hauptberuflichen Manager habe und die
Lehrer alles selbst organisierten. Bei ihr sei alles stärker professionalisiert.
Dafür musste sie sich selbst nach ihrer Präsentation eine deutliche
Frage ihrer französischen Partnerin gefallen lassen: „Leiten Sie
eigentlich eine Schule oder ein Unternehmen?“ Die Nienburger, die als „critical
friend“ einer finnischen Schule in der Nähe von Wasa fungierten,
zeigten sich beeindruckt, mit welcher Intensität jeder einzelne Schüler
in seiner beruflichen Orientierung und seiner persönlichen Entwicklung
beraten wird.
Trotz vieler kritischer Fragen ergaben sich viele persönliche Kontakte,
nicht zuletzt bei der gemeinsamen Stadtführung und dem offiziellen Abendessen. „Wir
haben die Finnen zu uns nach Nienburg eingeladen“, sagte Sabine Schroeder, „und
wir freuen uns darauf, deren Schule kennen zu lernen.“ Auch Andreas
Bortfeld will seine Kontakte nach Dänemark und Slowenien intensivieren.
Denn erst ein Besuch der Schulen vor Ort, so beide Schulleiter, mache es
möglich, von den Erfahrungen anderer zu profitieren, neue Ideen umzusetzen
und die Qualität an den Schulen zu verbessern.
QiS im Internet unter www.qualityinschool.net .
Hier unsere Power-Point-Präsentation für den Kongress...

Info zum Foto:
Die deutsche Delegation mit Martin Wahl (BBS),
Susanne Müller-Using
(Universität Osnabrück), Sara Cervai (QiS-Abteilungsleiterin),
Sabine
Schroeder (BBS), Elke Narten und Andreas Bortfeld (HRS Steimbke)
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